Tag 5: Freie Sicht auf den Everest!

Dienstag, 24.10.: Auch heute Morgen versammelten sich alle pünktlich um 7:30 Uhr zum letzten gemeinsamen Essen in unserer schönen Unterkunft “Camp de Base” in Namche Bazaar. Es waren zwei schöne Tage hier. Wirklich interessant zu sehen wie über 2000 Leute scheinbar abgeschlossen von der kompletten Außenwelt ein ganz normales Leben auf 3500m Höhe führen.

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Unsere heutige Tour sollte uns nach einer etwa siebenstündigen Wanderung bis auf das auf 3860m gelegene Tengboche bringen. Die 400 Höhenmeter Unterschied zu Namche Bazaar hörten sich für uns nicht weiter schwierig an, aber schon gestern beim Meeting wurde uns klar, dass heute weit mehr als nur die 400 Höhenmeter zu überwinden waren. Aber dazu später mehr.

Bei zunächst ein bisschen diesigem Wetter und wolkenverhangenem Himmel machten wir uns also weiter auf den Weg Richtung Everest Base Camp. Die komplette Route von Lukla bis zum Base Camp misst übrigens etwa 65km.

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Nima erzählte uns gestern Abend sehr viel über den älteren Mann unten auf dem Foto. Er ist Mitte 70, und baut seit über 30 Jahren mit ein paar Freunden an einem wichtigen Zubringerweg für die gesamte Everest-Region. Da der Staat ihn nur minimal unterstützt, sammelt er zusätzlich noch Spenden der Wanderer, die an diesem Weg vorbeikommen. Wann der Weg überhaupt mal fertigwerden soll, weiß allerdings keiner. Übrigens: Auch er bekam eine kleine Rolle in dem bereits erwähnten Film “Everest”.

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Im Laufe des Tages klarte es glücklicherweise immer mehr auf, so dass langsam aber sicher auch das Everestmassiv zu sehen war…endlich!!!!

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Unser Bergführerteam (von links) Nima, Tashi und Tsiksing…

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Fast überall n Nepal finden sich diese langen “Schlangen” von bunten Fähnchen. Nima erklärte mir heute die Bedeutung: Auf jeder Fahne befindet sich ein Gebet bzw. ein Wunsch. Die Farbe des Fähnchens symbolisiert eines der fünf Elemente. Zu den uns bekannten Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer kommt in Nepal noch der Himmel hinzu. Je nach Geburtsdatum wird man einem Element zugeteilt. Diese Bedeutung geht sogar noch weiter. Ist man beispielsweise dem Element Erde zugeordnet bedeutet dies, dass man z.B. für alle landwirtschaftlichen Arbeiten gut geeignet ist. Die Elemente spielen auch bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. So sollten beispielswiese nie ein Mann, der dem Element Feuer zugeordnet ist eine Frau heiraten, die dem Element Wasser zugeordnet ist. Laut Nima halten sich die meisten Nepalesen auch daran, was er als Grund für die geringe Scheidungsrate sieht. Der Glaube an die Elemente ist im Übrigen unabhängig von der Religion… sowohl Hindus als auch Buddhisten folgen dieser Tradition.

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Kurz nach 10 Uhr war es dann endlich soweit. Die Wolken verzogen sich fast komplett. Somit stand unserem ersten Blick auf dem Mount Everest nichts mehr im Weg. Auf dem Bild unten links ist noch das komplette Massiv mit dem Lhotesen (Gipfel rechts) und dem Mount Everest (Gipfel links, direkt neben der Wolke) zu sehen. Unten rechts habe ich dann den Everest komplett rangezoomt Smiley

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Um das Massiv herum türmen sich noch weitere zahlreichen Sechs- und Siebentausender auf, die optisch nicht weniger beeindruckend sind.

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Immer wieder kamen Hubschrauber vorbeigeflogen, die die hoch gelegenen Bergdörfer versorgten.

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Erstaunlicherweise tummeln sich in dieser Höhe auch noch sehr viele Tiere. Neben vielen Vögeln (auch Geiern) leben hier auch noch zahlreiche Insekten und kleinere Nagetiere.

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Auf 3600m Höhe machten wir ein kurzes Päuschen im “High Mountain Bakery Cafe”. Überhaupt stellten wir fest, dass die Backwaren hier in Nepal wirklich erstklassig sind!

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Leider ging es dann erstmal nicht weiter bergauf, sondern fast eine Stunde lang ziemlich steil bergab, bis wir fast wieder am Fluss angekommen waren. Auch heute kamen uns wieder unzählige und schwer bepackte Esel und Yaks entgegen.

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Im Tal angekommen ging es nach kurzer Stärkung dann an den 2,5-stündigen Schlussaufstieg Richtung Tengboche. 600 anspruchsvolle Höhenmeter galt es noch einmal zu überwinden.

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Glücklicherweise blieb der von Nima vorhergesagte Regen aus, auch wenn es später ein wenig zuzog und dunkler wurde.

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Gegen 15:30 Uhr erreichten wir dann das wirklich kleine und ruhige Örtchen Tengboche. Aufgrund der fehlenden Sonne war es auch schon richtig frisch hier oben.

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Unsere Unterkunft ist mal wieder sehr einfach gehalten, aber vollkommen in Ordnung! Übrigens: Die Übernachtungen an sich sind in der Region spottbillig. Mehr als 2-5 Dollar zahlt man nie. Allerdings sollte man dann nach Möglichkeit auch in der Örtlichkeit dinieren und frühstücken… Meistens ist also eine Mahlzeit hier teurer als die Übernachtung an sich.

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Bevor wir im grössen Gebäude des Örtchens (einem buddhistischen Tempel) einem Gebet der Mönche zusehen durften, wärmten diese sich vorher noch auf dem nahe gelegenen Fussballplatz auf. Smiley

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Das Gebet an sich (man durfte im Tempel natürlich keine Fotos machen) war (für meinen Geschmack) sehr laut. Jeder der etwa 30 anwesenden Mönche hat irgendein Blasinstrument oder eine Trommel bedient, ohne das irgendeine Melodie erkennbar war… das eigentliche Gebet trat da völlig in den Hintergrund. Irgendwie hatte ich das in den anderen Tempeln (Japan, Malaysia usw.) anders erlebt.

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Auch im “Speisesaal” unserer Unterkunft war es eher frisch, weshalb in dicker Jacke und Mütze diniert und später noch ein bisschen Karten gespielt wurde.

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Morgen geht es dann weiter nach Dingboche (4350m), wo wir zwei Tage bleiben werden. So langsam nähern wir uns also dem Base Camp auf 5300m an.

Übrigens: Es besteht (aus meiner Sicht) überhaupt kein Zweifel, dass es alle bis dorthin schaffen werden. Wenn ich diese Tour (zumindest von meinen Eindrücken bisher) mit meiner Kilimanjaro-Reise vergleiche, dass ist das hier wirklich purer Luxus. Wir haben jede Nacht ein Bett, ein festes Dach über dem Kopf und bekommen dreimal täglich eine warme Mahlzeit in einem (mehr oder weniger warmen) Lokal serviert. Die Tagestouren sind anstrengend, und man ist sicherlich abends auch erschöpft. Trotzdem glaube ich nicht, dass irgendein Teilnehmer der Gruppe schonmal so richtig an seine Grenzen gehen musste… das war in Tansania schon anders. Vielleicht ändert sich das ja noch, aber ich glaube nicht…

So, ich bin dann mal weg. Leider kein WLAN hier. Ich hoffe morgen klappts dann mit dem Upload Smiley