Freitag, 19.12.: Heute war also mein erster “richtiger” Urlaubstag in Saudi-Arabien. Da für den ersten Tag der Rundreise (beginnend am Sonntag) noch eine Citytour durch Riad auf dem Programm steht, konzentrierte ich mich heute auf die Sehenswürdigkeiten, die die Tour nicht abdecken wird.
Zunächst aber (wie immer) ein paar Zahlen und Fakten zum Land: Mit etwa 2,15 Millionen Quadratkilometern ist Saudi-Arabien etwa 6 mal so groß wie Deutschland. Dafür ist das Land (mit etwa 36 Millionen Einwohnern) eher dünn besiedelt. Etwa 30% der Bevölkerung sind nicht saudischen Ursprungs. Viele kommen aus asiatischen Ländern um hier zu arbeiten. Neben Riad (etwa 8 Millionen Einwohner) sind Dammam, Medina, Jeddah und natürlich Mekka die größten Städte des Landes. Im Landesinneren domminiert die Arabische Wüste, jedoch bietet das Land auch tolle Bergketten-, Küsten- und Oasenlandschaften. Über die Religion des Landes gibt es viele (Vor-) Urteile. Es ist sicherlich richtig, dass der Islam in Saudi-Arabien sehr stark ausgeprägt ist, und teilweise sehr strikt befolgt wird. Das betrifft auch Touristen. Christliche, oder andere religiöse Symbole sind absolut tabu. Im öffentlichen Raum sind Schultern und Knie jederzeit zu bedecken. Wenn man seinem Gegenüber etwas überreicht, ist stets die (reine) rechte Hand zu benutzen. Die linke Hand gilt als unrein. Hier muss ich (als zumindest Teilzeitlinkshänder) hin und wieder gut aufpassen. Andere Vorurteile werden längst nicht mehr so strikt gehandhabt, wie ich dachte. Sicherlich laufen noch sehr viele Frauen mit dem Niqab (Gesichtsschleier) herum. Jedoch ist dies nicht die Regel und auch nicht verpflichtend. Ich würde schätzen, dass locker 70% der Frauen Ihr Gesicht oder auch ihr Haar zeigen. Sie tragen dann entweder das klassische Kopftuch (Hijab) oder eine Shayla (Schal, der locker um Hals und Kopf gelegt) wird. Die Abaya (klassisches islamische Gewand) an sich ist jedoch für gläubige Frauen ein Muss. Aber auch hier gibt es zwischenzeitlich modern geschnittene oder bestickte Modelle. Am Steuer vieler Autos hier in der Stadt sitzen oft Frauen (selbst wenn ihre Männer daneben sitzen). Das war ja bis vor ein paar Jahren auch total unüblich. Auch die klassische Geschlechtertrennung beispielsweise in Restaurants oder an anderen öffentlichen Plätzen habe ich bisher nicht so wahrgenommen. Vielleicht ist das nur hier in der Stadt so… keine Ahnung. Ich bin ja noch ein paar Tage hier und werde noch ein paar weitere Eindrücke erhalten.
Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass viele hier viele Dinge nicht so laufen wie bei uns, und deutlich toleranter (um es mal vorsichtig zu sagen) mit einigen Themen umgegangen werden sollte. Aber genau diese Toleranz bringe auch den Menschen und der Kultur entgegen, egal ob ich das alles hier gut oder eben nicht so gut finde.
Sooooo, kommen wir nun zum heutigen Tag. Am Morgen fuhr ich zunächst zum “King Abdullah Financial District” oder kurz KAFD. Das Finanz- und Businessviertel der Stadt beherbergt viele internationale Firmen, Banken und Konzerne. Ein bisschen hat man den Eindruck, als wollten sich die einzelnen Architekten beim Bau gegenseitig überbieten.
Neben den zahlreichen Bürogebäuden findet man auch zahlreiche Restaurants, Cafè`s sowie Kunstgalerien. Freitag und Samstag sind im Islam die Wochenendtage, daher war heute leider nicht viel los.
Und wie überall in Riad wird auch im KAFD noch kräftig gebaut… Ich bin mir sicher, die Stadt wird in 10 Jahren wieder ganz anders aussehen. Hat alles ein bisschen was von Überbietungswettbewerb.
Ein absolutes Highlight des Gebietes ist zweifellos auch die Metrostation des KAFD, die sowohl von außen, als auch von innen eher wie ein Raumschiff daherkommt. Insgesamt gibt es in Riad 6 Metrolinien, die fast 180km abdecken. Knapp 30 Milliarden Euro hat der Bau gekostet. Kein Wunder bei solchen Stationen. Das Lustige ist allerdings, dass die Züge selber wie U-Bahnen in Berlin oder Stuttgart aussehen, und auch genau die selben Geräusche machen…
Für den Nachmittag hatte ich einen Ausflug zum “Egde of the World” gebucht. Der Rand der Welt liegt etwa 90 km nordwestlich von Riad auf der Najd-Hochebene. Mit Allradfahrzeugen dauerte es etwa 90 Minuten bis wir den Nationalpark erreicht hatten. Der letzte Teil über die felsige Hochebene wurde dann komplett offroad durchquert.
Der Name dieser Attraktion erschließt sich dem Besucher recht schnell: The edge of the World sind steil abfallende Felsklippen (bis zu 300m) mit einem unglaublichen Ausblick auf eine kilometerweite, flache Wüstenebene, ohne jegliche Referenzpunkte, so dass man unweigerlich den Eindruck gewinnen muss, dass die Welt hier endet.
Es gab einen kleinen Wanderweg, über den man zu den verschiedenen Felsvorsprüngen laufen konnte. Der Blick (sowohl auf die Felsen, als auch in die Weite) ist wirklich unglaublich.
Mein Vater würde sagen: “Sicherheitstechnisch nicht einwandfrei!”, was auch komplett der Wahrheit entspricht, zumal (vor allem vor dem Sonnenuntergang) richtig viel Betrieb auf den Felsen war und es auch gut gewindet hat.
Wie findet Ihr den Sonnenuntergang? Trotz der vielen Touris wirklich sehenswert.
Gegen 20 Uhr war dann noch kurz Zeit für ein schnelles Training im hoteleigenen Fitti. ![]()
Für morgen habe ich ich gerade noch nicht so viel vor, da (wie geschrieben) auch in der Citytour bereits einiges inkludiert ist. Ich werde mich nochmal einlesen, ansonsten ein bisschen entspannen.
Bis morgen dann und gute Nacht! ![]()