Sonntag, 09.08.: Heute hatten wir den Tag in Samarkand zu freien Verfügung, und konnten dabei zwischen einigen optionalen Aktivitäten wählen. Da es also ein wenig entspannter war, schreibe ich zunächst ein bisschen was zu Usbekistan allgemein. Mit etwa 450.000 Quadratkilometern ist Usbekistan ein bisschen größer als Deutschland, hat dafür aber deutlich weniger Einwohner (39 Millionen). Etwa 80% der Landesfläche besteht aus Wüste. Trotzdem finden sich in Usbekistan über 4.300 Pflanzen- sowie etwa 1.000 Tierarten. Im Sommer sind in heißen Regionen bis zu 50 Grad keine Seltenheit, im Winter kann es auch längere Zeit deutlich unter 0 Grad bleiben. Schnee ist in den flacheren Regionen (trotz der niedrigen Temperaturen) aber höchst selten, was aber daran liegt, dass es allgemein nur sehr wenige Niederschlagstage im Jahr gibt. Deshalb fahren Auto`s auch das ganze Jahr mit Sommerreifen. Die Usbeken sind grundsätzlich sehr entspannt, manchmal ein wenig schüchtern. Obwohl Sie seit 35 Jahren unabhängig sind, und zwischenzeitlich viele westliche Einflüsse Einzug hielten, fühlen Sie sich den Staaten der früheren Sowjetunion noch sehr verbunden und bezeichnen sie sogar als Freunde. Einzig mit Turkmenistan steht man ein bisschen auf Kriegsfuß. In Usbekistan wird mit “So`m” (gesprochen “Summ”) bezahlt, wobei einem Euro etwa 12.000 So`m entsprechen. Insofern ist man hier schnell mal Millionär, selbst wenn man nur das Durchschnittseinkommen von etwa 200€ (2,4 Millionen So`m) bezieht.
Heute Morgen interessierten sich neben uns noch fünf weitere Reisende für das Grab des Propheten Daniel. Angeblich soll der damalige Herrscher Amir Timur (wir waren gestern an seiner Grabstätte) einige Gliedmaßen des Propheten aus einem Persien-Feldzug mitgebracht haben, denn “wer einen Prophet begräbt, erlangt damit den Einlass ins Paradies”. So hieß es zumindest damals. In einem schmucklosen Ziegelgebäude befindet sich der insgesamt 18m lange Sarg, denn der Legende nach wachsen die Gliedmaßen des Propheten auch nach seinem Tod weiter. Irgendwie eine merkwürdige, aber interessante Geschichte.
Um das Grab herum wurde ein kleiner Ort der Ruhe erbaut (unter anderem mit einem über 600 Jahre alten Pistazienbaum), wo einige Einheimische beteten. Unter einem kleinen Häuschen geschützt, befindet sich eine heilige Qualle, an der Pilger literweise das als heilkräftig geltende Wasser abfüllten.
Das kleine Dörfchen “Koni Ghil” am Stadtrand von Samarkand ist berühmt für seine traditionelle Herstellung von Seidenpapier. Alle benötigten größeren Maschinen werden (komplett ohne Elektrizität) nur von Wasserkraft betrieben.
Das Papier ist nach der Fertigstellung sehr resistent, wasserabweisend und soll angeblich über 100 Jahre halten.
Nächster Stopp: Samarkand Markt. Nichts besonderes, aber für uns gut genug um ein bisschen was für den anstehenden Mittagssnack mitzunehmen.
Das Brot im Bild unten heißt hier “Non”, und wir in der Regel warm serviert. Da es zu fast jeder Mahlzeit serviert wird, durften wir schon verschiedene Varianten testen. Sehr lecker.
Ein weiteres traditionelles Handwerk in Usbekistan ist das Knüpfen von Teppichen. Die verarbeiteten Materialien (Seide, Wolle usw.) werden ausschließlich mit Naturfarben bearbeitet. Je nach Größe und Musterung des Teppichs kann die Fertigstellung mehrere Jahre dauern und einen guten fünfstelligen (Euro-)Betrag kosten. Anfragen für individuelle Teppichdesgins gehen hier aus der ganzen Welt ein.
Neben dem bekannten Kugel- oder Softeis gibt es auch hier noch Andenken an die Zeit der Sowjetunion. “CCCR” in kyrillischen Schriftzeichen bedeutet in unsere Schrift übersetzt so viel wie UDSSR (Union Der Sozialistischen Sowjet Republiken).
Nach dem ganzen Stress brauchte der Bub` erstmal n (Nach)Mittagsschläfchen.
Abends entführte uns Kamila in ein sehr schickes Restaurant. War sehr lecker, dafür aber auch (verhältnismäßig) teuer und die Portionen überschaubar. Wenn man hier in Usbekistan in einem Mittelklasse-Restaurant ein Fleischgericht + Getränk bestellt kommt man in der Regel mit 8 € gut hin. Also grundsätzlich alles ganz erschwinglich.
Unser US-Boy Asher ist immer noch nicht richtig fit, und Scott aus Australien nahm das Taxi nach Hause. Daher waren wir wieder allein mit den Mädels unterwegs bei unserm Spaziergang zurück zum Hotel.
Morgen werden wir relativ lang im Bus sitzen, denn wir fahren weiter an den Aydar Kul-See, inkl. einer Übernachtung in der Jurte. Gut möglich, dass ich dort weder WLAN, noch Handyempfang habe… Ihr werdet ja merken, ob ich hier etwas poste, oder nicht ![]()
Letzte Grüße aus Samarkand und bis spätestens übermorgen dann ![]()